Apl. Prof. Dr. Jürgen Schnack Universität Osnabrück
FB Physik
D-49069 Osnabrück

Naive Tipps eines noch immer hoffnungsvollen Dozenten
In den folgenden Abschnitten habe ich ein paar Gedanken in der Hoffnung zusammengetragen, daß diese Ihnen beim Studieren helfen. Ich habe die Anregungen positiv formuliert; sie resultieren allerdings daraus, daß genau das Gegenteil getan wurde, was ich für äußerst unproduktiv halte.



Vorlesungen
  • Arbeiten Sie die Vorlesungen nach. Nutzen Sie dazu die Übungen.
  • Fragen Sie den Dozenten. Nutzen Sie die Sprechstunde. Quetschen Sie den Assistenten aus!
  • Kaufen Sie sich ein Buch! In Theoretischer Physik sind Sie mit 4-5 Bänden Greiner bzw. Nolting super versorgt!
  • Kaufen Sie Mathematica o.ä. oder lassen Sie sich soetwas zu Weihnachten schenken. Das hilft im Praktikum, in Mathematik, in Experimentalphysik und Theoretischer Physik.
  • Viele Wahlpflichtvorlesungen haben keine Übung. Arbeiten Sie diese trotzdem nach, sonst ist die Sache für die Katz. Lösen Sie kleine Probleme aus dem Gebiet.



Übungen
  • Bringen Sie zu Präsenzübungen ihre Unterlagen mit.
  • Geben Sie Ihre Lösungsversuche auch dann ab, wenn das keine Pflicht ist. Die Rückmeldung hilft Ihnen.
  • Daß die Abgabe keine Pflicht ist, heißt nicht, daß dieses Gebiet unwichtig ist. Lassen Sie sich nicht durch äußeren Druck steuern.



Klausuren
  • Seien Sie knallhart zu sich selbst, bevor andere, z.B. der Dozent, es sind.
  • Lösen Sie zur Vorbereitung Übungsaufgaben und potentielle Fragen im stillen Kämmerlein ohne nachzuschauen. Das gibt Ihnen eine ehrliche Rückmeldung über Ihre wirklichen Kenntnisse.
  • Sie können sich auch mit anderen, z.B. abends in einem Seminarraum, treffen und sich gegenseitig Fragen stellen, die jeweils einer an der Tafel beantwortet. Danach können Sie zusammen diskutieren, wie Sie die Lösung finden und was man noch besser machen könnte.
  • Erarbeiten Sie sich selbst eine geschriebene Übersicht über die Grundgleichungen und Grundaussagen der Vorlesung.
  • Überlegen Sie, ob Sie einige Aussagen nicht auch schon in anderen Vorlesungen gesehen haben. Schauen Sie nach. Notieren Sie die Querverbindungen. Vermeiden Sie Schubladendenken.
  • Machen Sie sich einen groben Zeitplan, wie weit Sie wann sein wollen.
  • Verborgen Sie nicht Ihr Material. Wenn Sie jemandem helfen wollen, soll er es kopieren und Ihnen Ihre Sachen wiedergeben.
  • Bereiten Sie sich auf die Nachbesprechung einer Klausur vor. Gehen Sie da nicht ohne Unterlagen hin.
  • Auch wenn die Klausur vorüber ist, rechnen Sie diese zu Hause noch einmal nach. In Zeiten von Freischuß, erster und zweiter Klausur ist das eine vernüftige Strategie.



Praktische Tipps
  • Überprüfen Sie Einheiten. Masse gleich Länge geht nicht.
  • Machen Sie sich den Charakter einer Größe klar. Vektor gleich Zahl geht nicht.
  • Machen Sie sich den Charakter einer Aussage klar. Meinung, Beispiel, Hypothese, bewiesene Aussage? Sollten Sie zum Beispiel rausbekommen, daß die Unbestimmtheitsrelation verletzt ist, stimmt was mit Ihrer Rechnung nicht. Die Unbestimmtheitsrelation ist bewiesen, und Sie sollten das nicht nur wissen, sondern diesen Beweis auch kennen.
  • Graphiken können nicht groß genug sein. Zeichnen Sie sauber; das ist die halbe Miete!
  • Bevor Sie loslegen, machen Sie sich klar, was gegeben und was gesucht ist. Schreiben Sie das hin.
  • Denken Sie erst einmal über das Abstraktionsniveau einer Aufgabe nach. Geht es um eine allgemeine Aussage oder um ein spezielles System? Also, wenn nach der Schrödingergleichung oder nach dem statistischen Operator des kanonischen Ensembles allgemein gefragt wird, dann ist der Hamiltonoperator unspezifiziert, d.h. weder der Zeeman-Term noch die freie Bewegung noch irgendwas, sondern einfach H.



Wird fortgesetzt.

 
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